FARBENZAUBER UND GLÜCKSKINDER

Für die Geschwister schwerstkranker Kinder ist es nach der Corona-Pandemie besonders wichtig, Kontakte zu anderen zu knüpfen, sich zu treffen, sich auszutauschen, miteinander Spaß zu haben. Professionell begleitet sind die Gruppen, die das Geschwisterkinder-Netzwerk aus Hannover anbietet, die „Glückspilze“ und die Gruppe Farbenzauber. Sie tauchen einmal monatlich in ihre eigene Farbenwelt ein, angeleitet von Katrin Bahls, einer Fachkraft für sozialpsychiatrische Betreuung.  

Klare Regeln und Rituale geben Sicherheit

Die Gruppe der „Glückspilze“ trifft sich im  „Atelier im Garten“. Hier sind in der Mitte eines Raumes hell leuchtende Gouache-Farben zu einer Palette aufgebaut, dem „Farben-Buffet“. Beim Malen  gelten klare Regeln: Jede Farbe darf nur mit dem passenden Pinsel aufgetragen werden, niemand beurteilt die Bilder der anderen. Die Malstunden für Geschwister folgen dem Konzept des deutsch-französischen Pädagogen Arno Stern.  Regeln und Rituale geben  Sicherheit und Struktur und fördern den ungestörten Malfluss. Im Spiel mit Farben und Formen finden die gesunden Geschwister eine  Möglichkeit, sich und ihre   Herausforderungen  auszudrücken. „Formulation“ nennt dies der Pädagoge Arno Stern.

Gemeinsam macht das Malen noch viel mehr Spaß. © Fotos: Netzwerk schwerkranker Kinder 

Die 13-jährige Hajar (alle Namen geändert) ist eins der „Farbenzauber-Geschwisterkinder“. Hajars Bruder Yusuf ist Autist. In der kurdischstämmigen Familien, die in einem sozialen Brennpunkt lebt, hielt man ihn lange einfach für anders. Als große Schwester musste Hajar häufig auf Yusuf aufpassen. Bei den Farbenzauber-Geschwistern trifft sie Jugendliche, die im Alltag ähnliche Schwierigkeiten  bewältigen müssen. Ob Leukämie, Autismus oder eine seltene Erkrankung – der Alltag in den Familien wird von der Beeinträchtigung des Geschwisters dominiert.

Familien sind durch Pandemie hart getroffen

Wenn ein Kind pflegebedürftig ist und spezieller Aufmerksamkeit bedarf, gestaltet sich der familiäre Alltag schon unter normalen Umständen herausfordernd und anders. Die Corona bedingten Einschränkungen haben die Familien dabei besonders hart getroffen. Durch fehlende Angebote mussten auch die gesunden Geschwisterkinder doppelt Rücksicht nehmen. In vielen Familien liegen die Nerven mittlerweile blank.

Die Farbpalette mit Gouache-Farben. 

Die „Glückspilze“ unterwegs im Wald. 

Wenn der Bruder als "Spasti" beschimpft wird

Die Gruppe der „Glückspilze“ mit Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren trifft sich einmal monatlich in einem Jugendtreff. Die gesunden Geschwister stehen selbst im Mittelpunkt und können sich mit anderen austauschen, die ebenfalls mit  schwerbehinderten oder schwerkranken Brüdern oder  Schwestern leben. Bei den jüngeren „Glückspilzen“ geht es um Fragen wie: Wie reagiere ich, wenn mein Bruder auf dem Schulhof als „Du Spasti“ beschimpft wird und alle mich anstarren? Was mache ich, wenn meine geistig behinderte Schwester meine mühsam aufgebaute Lego-Bahn zerstört? Wie erkläre ich meinen Freunden, dass das laute, gruselige Beatmungsgerät meines Bruders „normal“ bei uns ist? Dank der Kreativität des Teams und der Flexibilität der betroffenen Familien können – trotz Corona – zu diesen und vielen anderen Fragen gemeinsam Lösungen für den Alltag erarbeitet werden.    

Projektdetails

Projektname:

Familienstärkung nach Corona

Träger:

Netzwerk für die Versorgung schwerkranker Kinder

Projektziel:

Stärkung der Resilienz, Vernetzung

Zielgruppe:

Geschwister schwerkranker Kinder

Förderzeitraum:

2022

Förderbetrag:

3000 Euro