PLIETSCHE KINDERKÜCHE IN BRAUNSCHWEIG
Das Gehirn braucht fast so viel Energie wie die Muskeln: rund 20% der Energie geht in den Kopf.
Eine ausgewogene Ernährung ist das A und O für ein gesundes Leben und für konzentriertes Lernen. Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden jedoch unter den Folgen von Mangel- und Fehlernährung.
Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten Familien ist das Risiko zu ungesunden Ernährungsweisen hoch. Für die Kroschke Kinderstiftung war das ein guter Grund, die Kochkurse des Hamburger Vereins SchlauFox e.V. nach Braunschweig zu holen und auch die Erstellung des Konzept für die Verbreitung über Hamburg und Braunschweig hinaus zu finanzieren.
Einweihung Standort Grundschule Diesterwegstraße
Am 12. Februar 2026 wurde der erste Braunschweiger Standort der Plietschen Kinderküche im Beisein des Oberbürgermeisters Dr. Thorsten Kornblum und von Vertretern aus Politik und Verwaltung, von SchlauFox e.V., der Diakonie im Braunschweiger Land und einigen der Unterstützer eingeweiht.
„Seit drei Jahren arbeiten wir daran, das Kochprojekt von Hamburg nach Braunschweig zu holen“, erzählt Anja Wenk, die Geschäftsführerin der Kinderstiftung. Dabei half es, dass die plietsche Idee (plietsch ist norddeutsch für pfiffig) auch in der Hansestadt vom dortigen Standort der Kinderstiftung unterstützt wird. Die Plietsche Kinderküche ist ein Projekt des Hamburger Vereins SchlauFox e.V., der das Konzept entwickelt, praktisch erprobt und evaluiert hat. Auf dieser Basis wird das Modell nun gemeinsam mit der Kroschke Kinderstiftung nach Braunschweig übertragen. Die Kinderstiftung hat inzwischen in Braunschweig einige Unterstützer um sich geschart. Am Donnerstag, 12. Februar, ging die Plietsche Kinderküche in der Grundschule Diesterwegstraße an den Start. Weitere Standorte in Braunschweig und in Norddeutschland sollen folgen.
Stadt Braunschweig und Kinderstiftung gestalten den Raum
Die vollständige Sanierung der Lehrküche wurde durch den geplanten Einbau einer neuen Küchenzeile angestoßen. In einer rund fünfmonatigen Bau- und Planungszeit und mit einem Investitionsvolumen von etwa 120.000 Euro wurde der Raum vollständig modernisiert. Die Kroschke Kinderstiftung übernahm Umbau und Erneuerung der Küche sowie den Überholungsanstrich mit abgestimmtem Farbkonzept. Der Raum wurde so gestaltet, dass er flexibel genutzt werden kann: Rollbare Arbeitsinseln und Tische ermöglichen eine schnelle Anpassung an die Bedürfnisse der Kinder. Die Tische dienen sowohl als Arbeitsfläche für Experimente als auch für das gemeinsame Kochen und Essen. Bei der Neuausstattung der Kücheneinrichtung und -Ausstattung halfen die Eckensberger-Stiftung und die Stiftung Großes Waisenhaus aus Braunschweig.
Die Vorarbeiten umfassten sogar den Einbau einer modernen Lehrküche mit drei Backöfen, zwei Ceran-Kochfeldern und vielem mehr. Doch dasProjekt geht über die reine Kücheneinrichtung weit hinaus. „Es ist der Startschuss zu einer großangelegten Förderkampagne der Kinderstiftung“, verdeutlicht Gerd-Ulrich Hartmann. Und das Vorstandsmitglied stellt klar: „Wir stellen uns dem gesellschaftlichen Problem der zunehmenden Mangel- oder Fehlernährung entgegen, unter dem vor allem benachteiligte Kinder
leiden.“
SchlauFox e.V. und Spender helfen beim Start
Das Konzept zur gesunden Ernährung wurde von SchlauFox e.V. mit Fachexpertise entwickelt und setzt bei Grundschülern der dritten und vierten Klassen an. Sie werden in kleinen Kursen (10 bis 12 Kinder) ans Kochen herangeführt, von der Zubereitung über das gemeinsame Essen bis zum Aufräumen. „Ehrenamtliche Erwachsene begleiten die Aktion“, verdeutlicht Anja Wenk. „Zum Abschluss werden die Eltern eingeladen und informiert, um das Ganze nachhaltig zu gestalten.“
Dabei findet der Startschuss zwar an der Diesterwegstraße im Beisein von Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum statt. Doch die Stiftung hat schon die nächsten Ziele im Visier: „Hier beginnen wir jetzt mit einem Kursus und nach den Sommerferien mit zwei weiteren“, sagt Ulrich Hartmann.
Danach sollen andere Grundschulen kommen. „Uns liegt sogar schon eine interessierte Anfrage aus Wolfenbüttel vor.“
Zunächst sei ein Finanzplan für fünf Jahre aufgestellt worden, berichtet Reinhold Renger. „Gemeinsam mit starken Partnern stemmen wir in dieser Zeit rund 145.000 Euro“, sagt der Geschäftsführende Vorstand stolz. „85.000 Euro kommen von Spendern, 60.000 Euro aus Mitteln unserer Stiftung.“ Zu den hochrangigen Spendern gehören zum Beispiel die Eckensberger-Stiftung, die PSD-Bank und der Rotary-Club Braunschweig. „Sie haben allesamt fünfstellige Summen gegeben.“
Eine herausragende Förderin ist auch Elke Fokken. Die ehemalige Bänkerin steht voll hinter dem Projekt. „Diese Idee fördert nicht nur die Gesundheit der Kinder, sondern auch ihre Lebensenergie.“ Die Braunschweigerin glaubt fest daran, dass die Teilnehmenden sich für den Rest ihres Lebens an das gemeinsame Kochen und die positiven Impulse für ihre Gesundheit erinnern werden. „Darum bin ich gern dabei.
Diakonie im Braunschweiger Land koordiniert
Schulsozialarbeiter Marcel Ratz vom Projektpartner Diakonie im Braunschweiger Land sowie Schulleiter Herke Alberts sind gleich aus mehreren Gründen begeistert von dem Kroschke-Vorstoß: „Mich beeindruckt, was im letzten halben Jahr alles passiert ist und wie sich die Förderer gegenseitig angetrieben und inspiriert haben“, sagt Ratz. Er koordiniert die künftigen Kochkurse und freut sich schon auf Trubel in der Küche: „Zum Beispiel Weihnachtsaktionen mit Plätzchenbacken und vielem mehr – ein Traum.“
Der Schulleiter betont, wie wichtig es sei, dass Schüler mit Lebensmitteln und ihrer Verarbeitung in Berührung kommen. „Das ist im Curriculum leider nicht verankert.“ Seine Einrichtung habe 280 Schülerinnen und Schüler aus 38 Nationen in Ganztagsbetreuung. „Es gab immer schon mal Versuche, das Kochen hier zu versuchen“, sagt Alberts. „Aber noch nie so gründlich und konsequent wie jetzt durch die Kinderstiftung.“
Angesichts einer großen Zahl Ehrenamtlicher, die sich zu Aufsicht und Mitkochen angeboten haben, solle während der Kurse ein Rezeptbuch entstehen, kündigte Ratz an. „Vielleicht können in dem ein oder anderen Haushalt am Ende sogar die Eltern von den Kindern was lernen.“
Bewusstsein für ausgewogene Ernährung
Die plietsche Kinderküche wendet sich mit wöchentlich stattfindenden Kochkursen an Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klasse. Ergänzt wird das Programm durch Ausflüge zum Thema Ernährung, etwa auf einen Biobauernhof oder in einen Kräutergarten. Darüber hinaus kochen die ehrenamtlichen Kursleiterinnen zweimal im Schuljahr gemeinsam mit den Kindern und deren Eltern beim sogenannten Genießer-Lunch. Auch hier geht es um Wissen, beispielsweise über Vitamine, über Zucker, dunkles und helles Mehl oder über die Wirkung von Lebensmittelwerbung.
Schnippeln, braten, kochen und natürlich probieren – Kochen kann richtig Spaß machen. © Fotos: Schlaufox
Bei den Kochkursen für Kinder gibt es vier verschiedene Themenphasen: „Vom Korn zum Mehl“, „Snack mit mir“, „Fast Food mal anders“ und „Internationale Gerichte“. So lernen die Kinder verschiedene Getreidearten kennen, sie probieren Salate und Gemüsedips aus und stellen Müsli selbst her. In der dritten Phase stehen ungesundes Fast Food und gesunde Alternativen im Mittelpunkt. So bereiten die Schülerinnen und Schüler selbst Burger und Pizza zu. In der vierten Phase können sie landesspezifische Gerichte aus den Familien der Kinder kochen.
Förderung von Lese- und Sprachkompetenz
Die Kinderstiftung übernimmt die Kosten für die Qualifizierung des Kooperationspartners Diakonie im Braunschweiger Land, sowie die Kosten für die Kurse an der Grundschule Diesterwegstraße für mindestens 3 Jahre.
Gesund snacken: hier mit Möhren und Gurken.
Wie das duftet: frische Petersilie.
Plietsche Kinderküche wirkt messbar
Doch das ist nicht alles: Wir haben zudem den Aufbau des Kooperationsmodells ermöglicht. Durch unsere Förderung konnte Schlaufox e.V. die nötigen Strukturen schaffen: das Projekt evaluieren und die Wirksamkeit zeigen, das Handbuch entwickeln, Materialien für die Skalierung aufbereiten, einen ersten Kooperationspartner gewinnen sowie den Start des Modells vorbereiten.
Die Evaluierung hat gezeigt: Die Plietsche Kinderküche bietet einen sicheren Raum z um Experimentieren. Beim Schnibbeln und Kochen werden Teamwork und Eigenverantwortung gefördert. Die Kinder lernen ihren eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Sie haben Erfolgserlebnisse, die ihnen im Schulalltag oft fehlen.
Und das zahlt sich aus, wie das Forschungsbüro für Soziale Innovation der Universität Hamburg bei der Evaluierung herausgefunden hat: die Kinder zeigen starke Verbesserungen in allen Bereichen: im Wissen über Ernährung und Lebensmittel, aber auch bei den praktischen Fähigkeiten.
Das ausgefeilte Konzept der Plietschen Kinderküche hat drei Säulen, die den Erfolg ausmachen:
Starke Partner wirken mit
Wir sind glücklich, dass wir mit Schlaufox und der Diakonie im Braunschweiger Land zwei unglaublich engagierte Partner gefunden haben, damit viel mehr Kinder in ganz Deutschland von diesem wertvollen Projekt profitieren können.
Diese Spender haben uns unter anderem geholfen, das Projekt zu realisieren und nach Braunschweig zu holen:
Die PSD Bank Braunschweig, Elke Fokken, die Eckensberger-Stiftung, der Rotary Club Braunschweig, die Wendezeller Stuben, Küchen Aktuell, die Stiftung Großes Waisenhaus, Firma Weinreich und Haas und Ehepaar Both halfen das Projekt zu realisieren und nach Braunschweig zu holen.
Projektdetails
Projektname:
Plietsche Kinderküche
Projektziel:
Ernährungs- und Gesundheitserziehung im schulischen und familiären Bereich
Zielgruppe:
Kinder der Braunschweiger Grundschulen
Förderzeitraum:
2025 bis 2028







