AUS DER STILLE IN DEN KLANG

Kann Musikunterricht hörgeschädigte Kinder mit Cochlea-Implantat, einer speziellen Hörprothese, befähigen, besser und klangvoller zu hören? Können Sie so einen Zugang zur Musik bekommen, ein Instrument erlernen und möglicherweise sogar mit gemeinsam anderen musizieren? Und hat das einen positiven Einfluss auf die weitere Entwicklung hörgeschädigter Kinder? Diese und viele weitere Fragen wollen Ricarda Gorny und Mareike Dröge, zwei Stipendiatinnen der Kroschke Kinderstiftung, bei der wissenschaftlichen Begleitung der Studie „Aus der Stille in den Klang“ klären.

Klavier und Geige besonders gut geeignet

Kinder, die taub geboren sind und ein Cochlea Implantat bekommen haben, sollen über eine ganz neuartige Form des Instrumentalunterrichts Schwingungen und Melodien wahrnehmen, die sie sonst niemals wahrgenommen hätten. Initiiert hat das Projekt „Aktion Kindertraum“ aus Hannover. Die Idee zu dem ungewöhnlichen Vorhaben hatte die Musikpädagogin und Musikwissenschaftlerin Elena Kondraschowa. Sie hat für hörgeschädigte Schülerinnen und Schüler einen Instrumentalunterricht entwickelt, der diesen einen Zugang zur Musik und der auditiven Wahrnehmung von Tönen und Klängen ermöglichen soll. 

Besonders eignen sich dafür Klavier und Geige. Am Klavier lässt sich gut erklären, was ein Klang bedeutet und wo sich Töne finden. An beiden Instrumenten können die Kinder die Schwingungen der Saiten nicht nur hören, sondern auch körperlich fühlen, sie nehmen Musik mit allen Sinnen wahr. „Durch den Einsatz der Geige steigert sich die Effektivität des Cochlea-Implantats um ein Vielfaches“, ist sich Elena Kondraschowa sicher. „Den Kindern werden völlig neue Hörwelten erschlossen.“ 

Jil, ihre Mutter und Musikproduzent Mousse T. (Mitte), Botschafter des Projekts „Aus der Stille in den Klang“. © Fotos: Aktion Kindertraum

Die beiden Stipendiatinnen Mareike Dröge und Ricarda Gorny, wollen überprüfen, welche Auswirkungen dieser Musikunterricht auf die Entwicklung hörgeschädigter Kinder hat. Sie haben dafür Fragebögen und Testmaterialien entwickelt. Die beiden studieren an der Leibniz Universität in Hannover Sonderpädagogik. Im Fokus ihrer Arbeit stehen  zwölf Kinder im Alter von neun bis elf Jahren, die die Hartwig-Claußen-Schule in Hannover besuchen, eine Förderschule Schwerpunkt Hören. Alle tragen ein Cochlea-Implantat, vier Kinder nehmen am Geigenunterricht teil, vier am Klavierunterricht und vier bilden die Kontrollgruppe. Die Studie läuft im Schuljahr 2021/22. Ricarda Gorny und Mareike Dröge wollen in ihren Bachelorarbeiten auch zeigen, welche neuen Perspektiven sich durch den Musikunterricht für das Leben der Kinder eröffnen.

Jil möchte mit anderen musizieren

Mit dabei ist die elfjährige Jil, die im Alter von zehn Jahren ein Cochlear Implantat bekam – und dadurch jetzt wieder hören kann. Sie kann es kaum abwarten, Geigenunterricht zu bekommen und bei dem Projekt „Aus der Stille in den Klang“ mitzumachen. Manchmal probiert sie schon jetzt das Instrument hinter verschlossener Tür aus und vielleicht kann sie tatsächlich einmal gemeinsam mit anderen musizieren. Denn schließlich geht es nicht nur um besseres Hören, sondern auch um die Integration dieser Kinder in die Welt der Hörenden.    

Prof. Anke Lesinkski-Schiedat, ärztliche Leiterin des Deutschen HörZentrums, zeigt ein Cochlear Implantat. Sie kann sich gut vorstellen, dass die Möglichkeit, differenzierter zu hören, durch das Spielen eines Instruments durchaus steigt. Sie betont: „Je mehr das Hörorgan in der Kindheit gefordert ist, desto besser ist das für die Reifung des Gehirns.“ 

Bei einer Pressekonferenz in Hannover wird das Projekt vorgestellt. Ute Friese (Bildmitte), Geschäftsführerin von Aktion Kindertraum, mit Ideengeberin Elena Kondraschowa, Wissenschaftlerinnen und den beiden Stipendiatinnen Mareike Dröge und Ricarda Gorny (ganz links). – © Fotos: Aktion Kindertraum

Ein Video zeigt Claras Weg zur Musik

Das Video von „Aktion Kindertraum“ zeigt sehr anschaulich, wie das Mädchen Clara dank eines Cochlea Implantats hören kann und Musikunterricht bekommt. Töne und Musik nimmt sie mit allen Sinnen wahr. Das eröffnet ihr neue Möglichkeiten im Miteinander mit anderen und ist ganz wichtig für ihr Selbstbewusstsein. 

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Link zum Video von Aktion Kindertraum 

Projektdetails

Projektname:

Musikunterricht für hörgeschädigte Kinder

Träger:

Aktion Kindertraum, Hannover, www.aktion-kindertraum.de

Projektziel:

Kinder befähigen, besser und klangvoller zu hören

Zielgruppe:

Hörgeschädigte Kinder 

Förderzeitraum:

2021

Förderbetrag:

11000 Euro

Am Klavier lässt sich gut erklären, wo sich Töne befinden.  © Foto: Fotolia/ Aktion Kindertraum