ALLEINERZIEHENDE ELTERN IM NEUEN KUPFERHOF
Der Neue Kupferhof im Norden Hamburgs bietet Kindern und Jugendlichen mit Behinderung seit 2013 ein Kurzzeit-Zuhause. Während des Aufenthalts kümmert sich ein qualifiziertes Team um die Gastkinder. Eltern und Geschwister der jungen Gäste wohnen in Familienzimmern in einem anderen Teil des Gebäudes. Sie können sich entspannen, aus- und durchschlafen, lernen loszulassen, Hamburg entdecken und so kann die ganze Familie gestärkt in den Alltag zurückkehren. Familien aus dem ganzen Bundesgebiet nutzen diese Möglichkeit. Allerdings machen nur wenige alleinstehende Mütter oder Väter von dem Angebot Gebrauch, obwohl der Anteil von Ein-Eltern-Familien besonders hoch ist, wenn ein Kind mit Behinderung zuhause gepflegt und umsorgt wird. Die Kinderstiftung fördert deshalb gezielt die Auszeiten für alleinerziehende Eltern im Neuen Kupferhof.
Der Kupferhof schenkt Bettina und Karen neue Kraft
„Am Anfang haben sie es in der Schule nicht verstanden, warum Cornelius eine Woche Schule versäumen und auf den Kupferhof fahren sollte. Mittlerweile freuen sie sich jedes Mal, wenn Cornelius von dort in die Schule zurückkommt und sehen, wie gut ihm das tut.“, Bettina, alleinerziehende Mutter, besucht den Kupferhof mit Sohn Cornelius seit 2019.
Der Kupferhof gibt Eltern und deren Kindern mit Beeinträchtigungen einen Ort, um zur Ruhe zu kommen und dem anstrengenden Alltag zu entfliehen. So auch Bettina und ihrem siebzehnjährigem Sohn Cornelius. Seit Jahren ist Bettina in ihrer Rolle als Elternteil fast auf sich allein gestellt und in einer finanziell schwierigen Lage, einen Urlaub kann sie sich nicht leisten. Eigentlich tanzt Cornelius gerne, auch Basketball und Fußball machen ihm Spaß, oft hat er jedoch mit Motivationsproblemen zu kämpfen, dann kommt er auch schlecht mit Mutter Bettina zurecht. Der Alltag ist anstrengend und die Versorgung von einem Kind mit Beeinträchtigung erfordert viel Kraft. Bettina hat das Gefühl sie selbst kommt oft zu kurz. Der Vater von Cornelius bringt ihn morgens zur Schule, nachmittags, abends und am Wochenende jedoch ist Bettina verantwortlich. Daher gibt die Woche Auszeit auf dem Kupferhof Beiden die Möglichkeit runterzukommen und sich nachhaltig zu erholen. Cornelius erfährt therapeutische Betreuung und kann viel Zeit mit den Betreuern draußen im Grünen verbringen.
Alleinerziehende Mutter Bettina genießt die Auszeit im Garten.
Er hat die Möglichkeit aus dem Alltag heraus-zukommen und wieder Kraft für die Schule zu tanken. Danach kann er ganz ausgeglichen und dynamisch weitermachen. Auch Bettina ist unglaublich dankbar für dieses Angebot und kann Dinge machen zu denen sie im Alltag nie die Kraft und Zeit finden würde: „Ich les‘ ein Buch, geh in den Wald oder ins Café, habe Zeit mich um mich zu kümmern. Alles darf sein.“ Sie ist überzeugt: Der Kupferhof ist für sie beide ein Geschenk.
Karen und Bettina können ausgelassen im Café des Neuen Kupferhofes miteinander sprechen.
Ein seltener Gendefekt, Autismus und Nonverbalität; darunter leidet nicht nur der dreizehnjährige Kimi, sondern auch seine Mutter, Karen. Kimi besucht eine Förderschule und geht dreimal in der Woche zur Therapie. Im Alltag hat er mit Schlafproblemen und autoaggressivem Verhalten zu kämpfen, Karen ist als Mutter enorm belastet. Der Kupferhof ist für sie nicht nur eine Möglichkeit, mal aus dem Alltag rauszukommen, sondern eine Notwendigkeit.
Sie weiß, Kimi ist gut aufgehoben, hat Spaß an den Angeboten und macht alle Ausflüge mit. Häufig sehen sich die beiden nur im Speisesaal. „Ich bin unglaublich gerne da. Ich kann gut schlafen, essen und die Auszeit, die ich brauche, genießen.“, schwärmt Karen. Kimis Mutter liebt es, dort im Wald Spaziergänge zu machen, auch mal in die Stadt zu fahren und die Entlastung des Kupferhofes zu spüren. Seit 2024 sind die Beiden zweimal im Jahr für eine Woche dort und könnten nicht mehr ohne diese Auszeit.
Im Jahr 2026 waren bereits 16 alleinerziehende Familien zu Besuch im Kupferhof, die Nachfrage ist groß und wächst noch stetig an. Teilweise reisen Familien aus Bayern bis in den Norden zum Kupferhof hoch, um sich eine Auszeit zu nehmen. Das Angebot ist also eine wichtige Entlastung für die Familien und fördert die Kinder und deren Eltern nachhaltig. Für viele Eltern bietet der Kupferhof die erforderliche Auszeit, die sich die Eltern nicht nur wünschen, sondern auf welche sie angewiesen sind, um diese unglaubliche Kraft, die ihr Alltag erfordert, aufbringen zu können.
Alleinerziehende sind oft am Rande ihrer Kräfte
Das soll sich mit Unterstützung der Kroschke Kinderstiftung ändern, denn Alleinerziehende, die sich um ein behindertes Kind kümmern, sind oft am Rande Ihrer Kräfte. So soll versucht werden, den Neuen Kupferhof noch bekannter zu machen. Steffen Schumann, Gründer und Geschäftsführer des Neuen Kupferhofs: „Beispielsweise, indem wir wichtige Anlaufstellen wie Ärzte oder Träger von Kindertagesstätten über das Angebot informieren. Auch Hilfestellung bei der Antragstellung und bei der Anreise ist sinnvoll.“
Beim Morgenkreis kommen alle zusammen. © Fotos (5): Neuer Kupferhof
Gerade Alleinerziehende brauchen eine Auszeit, denn der tägliche Umgang mit einem behinderten Kind ist enorm belastend, vor allem wegen der alleinigen Verantwortung rund um die Uhr. Viele Eltern sind isoliert, manche sogar vereinsamt, so Schumann. Dazu kommt, dass behinderte Kinder oft weder in den Familien noch in der Gesellschaft akzeptiert werden. Außerdem machen sich die Eltern Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder und deren finanzielle Situation.
Dabei gibt es Unterstützungsmöglichkeiten für einen Aufenthalt im Neuen Kupferhof. So können Kosten für die Betreuung eines behinderten Kindes über die Eingliederungshilfe bzw. über die Kurzzeit-/ Verhinderungspflege abgerechnet. Auch die Unterbringung von Mutter oder Vater oder von Geschwistern können für alleinerziehenden Eltern im Neuen Kupferhof bezuschusst oder finanziert werden. Das ist dank der Unterstützung der Kroschke Kinderstiftung möglich.
Ausgebildete Fachkräfte kümmern sich liebevoll um die Kinder.
Kleine Ausflüge sind wichtig und sorgen für Abwechslung.
Unterstützung dank großzügiger Spenden möglich
Die Stiftung kann den Neuen Kupferhof dank der großzügigen Spende eines Hamburger Unternehmers gezielt unterstützen. Das Geld wird für den Aufenthalt von Alleinerziehenden verwendet, für Werbung und für die anteilige Finanzierung einer Pädagogin in Kooperation mit dem Forschungsnetzwerk CARE-FAM-NET. Darüber hinaus wird der Kontakt zu Alleinerziehenden-Verbänden, Sozialpädiatrischen Zentren, Frühförderstellen und weiteren Institutionen intensiviert.
Projektdetails
Projektname:
Alleinerziehende Eltern im Neuen Kupferhof
Träger:
Neuer Kupferhof, Hamburg
Projektziel:
Alleinerziehenden mit behindertem Kind eine Auszeit ermöglichen
Zielgruppe:
Alleinerziehende, Kinder mit Handicap
Förderzeitraum:
2013, 2018 und seit 2023 fortlaufend
Förderbetrag:
90.000 Euro

