Platz zum Toben, Platz zum Gestalten

Das Projekt auf dem Abenteuerspielplatz mit dem Titel "Lernziel Spielen" richtet sich an Schülerinnen und Schüler Braunschweiger Grundschulen. Sie haben die Möglichkeit sich auf einer Fläche von rund 16.000 Quadratmetern richtig auszutoben. Besonderes Plus: Das Gelände ist weitgehend barrierefrei. Das freie Spiel an der frischen Luft wird immer mehr zur Ausnahme, es fehlen zeitliche und räumliche Freiräume. Doch Spielen ist der kindliche Zugang zur Welt. Kinder, die viel draußen spielen, entwickeln ihre kognitiven, körperlichen und sozialen Fähigkeiten sowie ihre Kreativität. Besonders Kinder im Grundschulalter haen ein großes Bewegungs- und Autonomiebedürfnis, das sie meist nur unzureichend ausleben können. Um die Motorik zu schulen und Knochenmasse aufzubauen, sind eigene Bewegungserfahrungen erforderlich.
Auf dem Abenteuerspielplatz können ganze Grundschulklassen eine ganze Woche spielen verbringen. Die Lehrkräfte werden bei der Betreuung des Baugeländes, bei der Ausgabe von Werkzeug sowie bei der Nutzung der Feuerstelle und des Tierehauses unterstützt. Das Projekt kann auch Ersatz für eine Klassenfahrt sein.  Die Kinder genießen ein großes Maß an Freizügigkeit, zugleich sind sie gut aufgehoben. Außerdem ist das Gelände weitgehend barrierefrei, da das Wegenetz mit Rollstuhlkindern geplant wurde. Das Projekt wird von der Kroschke Kinderstiftung, der Braunschweiger Bürgerstiftung und den Firmen Ewe Armaturen und eck*cellent IT unterstützt. 
Offiziell eröffnet wurde das Projekt am 28. Mai, dem internationalen Weltspieltag, um so auf das Recht von Kindern auf Spielen aufmerksam zu machen. Die Pisa-Tests haben in den letzten Jahren zu einer Verengung des Bildungsbegriffs geführt, schreibt Initiator Fred Römer zur Begründung des Projekts. Immer früher und immer effizienter sollen Kinder auf die Anforderungen unserer Leistungsgesellschaft vorbereitet werden. Der Wettbewerb um gute Zensuren und Abschlüsse wird allerdings den Kindern und ihren primären Bedürfnissen und all dem, was sie an Begabungen in sich tragen, nicht gerecht. Die frühzeitige Reduktion auf Test-Wissen führt seiner Ansicht nach dazu, dass andere Ressourcen an Talenten verschüttet oder zumindest nicht ausreichend wahrgenommen werden.
So kann ein Mangel an Freizeit und Spiel die Grundfeste der kindlichen Entwicklung begrohen. Der   Hirnforscher und Neurobiologe Gerald Hüther betont in seinen Interviews: "Damit das riesige Potenzial an Vernetzungsmöglichkeiten im Gehirn möglichst gut stabilisiert werden kann und die in den Kindern angelegten Talente zur Entfaltung kommen, müssen wir ihnen so lange wie möglich die Gelegenheit bieten, spielen zu können."
„Spielen ist der kindliche Zugang zur Welt. Im Spiel begegnen sie anderen Kindern, lernen Konflikte zu lösen und gemeinsam Aufgaben zu bewältigen. Kinder erschließen sich ihre Welt durch Versuch und Irrtum. Ihr Selbstvertrauen wächst, je häufiger sie Erfahrung machen, Probleme selbständig lösen zu können“, unterstreicht auch Evelyn Simson, Diplom-Sozialpädagogin und Leiterin des Abenteuerspielplatzes. Sie berichtet, dass der Abenteuerspielplatz während der Öffnungszeiten - sonntags bis donnerstags von 14 bis 18 Uhr gut besucht sei. Vormittags hingegen sei das tolle 15.000 Quadratmeter große Gelände hingegen noch weitgehend ungenutzt. Schulen seien herzlich eingeladen, sich zu melden, um die Infrastruktur des Abenteuerspielplatzes (Gelände, Räume, Werkzeug, Bauholz, Tierhaus) zu nutzen.
 

Spielen ohne Leistungsdruck. Fotos: Abenteuerspielplatz Melverode

                                           

Die Unterstützer freuen sich über den Start des Projekts (von links): Patrick Scheunemann (Bürgerstiftung), Maria Schmidt (eck*cellent IT), Evelyn Simson (Abenteuerspielplatz), Fred Römer (Projektleiter) und Gerd-Ulrich Hartmann (Kroschke Kinderstiftung).