Sehgeschädigte Kinder besuchen die Ziegenalm

Eine mehrtägige Fahrt mit anderen Kindern ist für alle Mädchen und Jungen aufregend und erlebnisreich. Für sehbehinderte und blinde Kinder ist eine derartige Fahrt jedoch eine besondere Herausforderung, und sie können ganz neue Erfahrungen machen. Beispielsweise, wenn sie beim Füttern der Ziegen und der Hühner helfen, ein Huhn auf den Arm nehmen und streicheln oder Eier sammeln. Manche waren Tieren noch nie so nahe - auch das war schön. Wichtig für sehgeschädigte Menschen ist die Orientierung. Bei einem Ausflug mit der Harzer Schmalspurbahn liefen die Kinder zunächst zur Haltestelle Sophienhof, um sich dort an der Karte zu orientieren, die den Kindern auch taktil zur Verfügung gestellt wurde. Die Abfahrt des Zuges lasen die Kinder sowohl in Punkt- als auch in Schwarzschrift. Ein besonderes Erlebnis: die Bahnfahrt mit einer richtigen Dampflok. Eine große Herausforderung war die ungewohnte Umgebung: das Haus, der Stall mit der ungewohnten Beleuchtung und dem Einstreu in den Gängen, die Wald- und Feldwege.

Auch das Entwickeln lebenspraktischer Fertigkeiten gehört zu einer derartigen Freizeit. Wie schmiere ich allein ein Brötchen, wie bewerkstellige ich das Essen im Restaurant, wie schneide ich Gemüse oder Obst, wie decke ich den Tisch und wie finde ich meine Sachen in der fremden Umgebung wieder. Darüber hinaus lernten die Teinehmer verschiedene  Hilfsmitteln kennen, beispielsweise den Computer, den Blindenstock und das Monokular. Manche kannten diese Hilfsmittel nicht. Eine schöne Erfahrung war für die Teilnehmer, dass sie - anders als im Schulltag - einmal keine Sonderstellung einnahmen. Das erleichterte den Austausch über den Umgang mit der eigenen Sehschädigung, über Hilfsmittel und familiäre Rollen.  
 

 

Aufregend: Hühner füttern und Eier sammeln - das kannten die meisten Kinder nicht.
Faszinierend: die Dampflok der Harzer Schmalspurbahn. Fotos: Mobiler Dienst Sehen