Viele Medikamente sind für Frühchen nicht zugelassen

- Ein Frühchen auf der Intensivstation: Medikamente sind nötig, doch viele haben keine Lizenz für die Anwendung bei ganz kleinen Babys.
Viele Arzneimittel besitzen keine Zulassung für Säuglinge und Frühgeborene. Doch was machen Ärzte, wenn ihre kleinen Patienten derartige Medikamente unbedingt benötigen? Dieser Frage ist die angehende Apothekerin Elena Regner auf der Neugeborenen-Intensivstation des Braunschweiger Klinikums im Rahmen einer Studie nachgegangen. Zehn Wochen lang hat sie dort den Medikamentengebrauch systematisch erfasst und analysiert. Finanziert wurde das Projekt „Optimierung des Arzneimitteleinsatzes in der Kinder- und Jugendmedizin“ von der Pharmhuman Stiftung und der Kroschke Stiftung für Kinder.
„In der Klinikpraxis besteht oft die Notwendigkeit, Medikamente für Kinder einzusetzen, obwohl diese dafür nicht vorgesehen sind, da es oft keine alternative Therapie in zugelassener Form gibt“, schreibt Elena Regner in ihrer Abschlussarbeit. Ärzte müssten dann die richtige Dosis mit Hilfe ihrer Erfahrungen finden. Ihren Untersuchungen zufolge wurde auf der Neugeborenen-Intensivstation durchschnittlich jedes vierte Medikament außerhalb seiner Zulassung angewendet. Sogar nur jedes zehnte der eingesetzten Präparate hätte eine Lizenz zur Anwendung an Frühgeborenen gehabt. „Knapp ein Viertel der eingesetzten Präparate“, so hat Elena Regner festgestellt, „hat gar keine Zulassung für den Einsatz an Kindern gehabt, sondern ist ausschließlich Erwachsenen ab 18 Jahren vorbehalten.“
Neue EU-Verordnung
Um den Mangel an Kinderarzneimitteln zu reduzieren, hat die EU eine Verordnung verabschiedet, nach der neue Präparate nur dann eine Zulassung erhalten, wenn sie auch auf die Anwendbarkeit bei Kindern geprüft werden. Wirkung zeige diese Verordnung allerdings noch nicht, so Regner.
Ziel ihrer Untersuchung ist es daher, das Wissen der Braunschweiger Ärzte und Apotheker in Fachzeitschriften zu veröffentlichen, um so zur Sicherheit der Medikation bei Früh- und Neugeborenen beizutragen.




