Tiergestützte Pädagogik: Spielerisch soziale Kompetenzen erwerben

Kontakte zu Tieren haben einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Kindern. Diese Erkenntnis macht sich seit Februar auch das Landesbildungszentrum für Blinde in Hannover zunutze und bietet eine "Tiergestützte Pädagogik" an.

Kenan ist ganz aufgeregt. Schnell streichelt der kleine Junge die Stirn von Esel Chicco, tätschelt das weiche Fell und die lange Ohren. Kenan kann nicht sehen und genießt es, ebenso wie seine Freunde aus dem Landesbildungszentrum für Blinde in Hannover mit dem Esel Chicco oder den Kaninchen zu schmusen, das Schaf Lilly zu streicheln oder gar einen Ritt über das Gelände zu wagen.

Seit Anfang Februar steht im Landesbildungszentrum einmal wöchentlich "Tiergestützte Pädagogik" auf dem Stundenplan. Dann kommt Ingrid Stephan, Leiterin des "Instituts für soziales Lernen mit Tieren", für drei Stunden mit ihrem Minizoo, mit den Eseln Chicco und Graucho, Meerschweinchen, Kaninchen und Zwerghühnern, der Mischlingshündin Emily und Schaf Lilly. Sie besucht seit 14 Jahren Sonderschulen, Therapiezentren oder Behinderteneinrichtungen, um Kindern und Jugendlichen über den Kontakt zu Tieren neue emotionale Erfahrungen zu eröffnen.

Der Umgang mit Tieren hat einen positiven Effekt auf die Erziehung und die Entwicklung von Kindern, weiß die Diplompädagogin Ulrike Krüger, die selbst blind ist. Sie hat an einer berufsbegleitenden Weiterbildung in "Tiergestützter Pädagogik" teilgenommen und sich dafür stark gemacht, dass die Tiere auch ins Landesbildungszentrum kommen, in dem blinde und mehrfachbehinderte Kinder aus ganz Niedersachsen betreut werden. Die Kroschke Stiftung für Kinder unterstützt dieses Projekt sowie einen Mitmach-Zirkus im Juli mit rund als 6600 Euro.

Ziel des Mitmach-Zirkus ist es, Kindern und Jugendlichen spielerisch den artgerechten Umgang mit Tieren näher zu bringen. "Beim gemeinsamen Training sind Geduld, Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme gefragt", sagt Ulrike Krüger, "so werden fast spielerisch soziale Kompetenzen erworben." Und wenn die Kinder Verantwortung für die Tiere übernehmen, stärkt das wiederum ihr Selbstbewusstsein.