Mit sich und anderen besser klar kommen
Auf dem Pferdehof in Erbsen haben junge Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsmedizin Göttingen das Therapieangebot "Heilpädagogisches Reiten" genutzt, das von der Kroschke Stiftung gefördert wurde.
Ein großes, starkes Tier zu lenken und auf dem Pferderücken getragen zu werden, kann bei psychisch kranken Kindern und Jugendlichen ein Gefühl von "stark und beschützt sein" vermitteln. Diese Möglichkeit hatten junge Patienten aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie von Mai bis Oktober 2008. Initiiert wurde das Projekt von der Sozialpädagogin Ines Campe. Da das Projekt fortgesetzt werden soll, werden weitere Sponsoren gesucht.
Das Angebot des Pferdehofs Erbsen richtete sich unter anderem an Kinder und Jugendliche mit Störungen in der Aufnahme und Gestaltung von Beziehungen, Entwicklungsverzögerungen, Schwierigkeiten im Sozialverhalten, Wahrnehmungs- und Konzentrationsstörungen, herabgesetzter Motivation und Verhaltensbesonderheiten. Begleitet von zwei Betreuern der Stationen, arbeiteten die jungen Patienten mit vier Isländerpferden. Die Projektleitung hatten Ines Campe und Dr. Nathalie Bock, Ärztin der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Die hohe Motivation, mit Pferden zu arbeiten, zu reiten und sie zu pflegen, ermutigte viele Kinder, aktiv an ihren Problemen zu arbeiten. Die meisten psychischen Störungen gehen mit Beziehungsproblemen einher. Für viele Kinder kann der Beziehungsaufbau zum "Partner Pferd" eine Brücke sein, um mit sich selbst und anderen besser klar zu kommen.
Zusammen mit dem Pferd machten die Patienten gemeinsame Ausritte in den Wald, lernten die Körperkoordination auf einem Spieleparcours oder führten Entspannungsübungen auf dem Pferderücken durch.
Das Pferd fordert und fördert von den kleinen Reiterinnen und Reitern eine gezielte Aufmerksamkeit und eine aufrechte Körperhaltung. "Wenn es gelingt, eine therapeutische Arbeitsatmosphäre entstehen zu lassen, in der sich seelisch kranke Kinder geborgen fühlen, haben wir gute Chancen, dass sich die jungen Patienten auf die therapeutischen Maßnahmen einlassen", sagte die Reitpädagogin Annette Gramß, die das heilpädagogische Reiten leitete.




