Sichere Arzneimittel für Kinder

Ein Viertel aller Arzneimittel, die junge Patienten in Krankenhäusern einnehmen, hat keine Zulassung für Kinder. Das belegen Untersuchungen aus ganz Europa. Auf der Kinder-Krebsstation des Braunschweiger Klinikums an der Holwedestraße hat die Pharmaziestudentin Sonja Christine Wolf die Verwendung von Arzneimitteln drei Monate lang untersucht und dabei genau dokumentiert, welches Kind welches Medikament in welcher Dosis bekam. Finanziell ermöglicht wurde diese Arbeit von der PharmHuman Stiftung und der Kroschke Stiftung für Kinder. 

Es zeigte sich, dass nur rund 80 Prozent aller dort eingesetzten Medikamente für Kinder und Jugendliche zugelassen sind. Ein Fünftel der Medikamente wird auf der Kinderkrebsstation angewandt, obwohl eine Zulassung für junge Patienten fehlt. Dennoch sind diese Medikamente in der Praxis erprobt und werden verschrieben, weil die erkrankten Kinder sie dringend benötigen. Alternativen gibt es nicht. Dr. Wolfgang Eberl, Oberarzt in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, ist von der Sicherheit dieser Medikamente überzeugt.  

Weiterhin zeigt die Studie, dass nicht für alle Krankheitsbilder eine kindgerechte Arzneiform zur Verfügung steht. Auf der Station in der Holwedestraße werden am häufigsten Tabletten und Injektions- oder Infusionslösungen eingesetzt. Für Kinder wären jedoch Säfte, Lösungen oder Pulver besser geeignet, da sie einfacher einzunehmen sind und sich besser dosieren lassen. Daher stellt die Apotheke des Klinikums solche Arzneimittel für Kinder selbst her. So wird zum Beispiel eine Tablette für Erwachsene zu einem feinen Pulver verrieben und in kindgerechter Dosierung in Kapseln abgefüllt. 

Auch der Geschmack der Medikamente ist bei Kindern wichtiger als bei Erwachsenen. Daher verdünnen die Apotheker des Klinikums manche bittere Medizin mit Himbeersirup, den die Kinder dann wie einen Saft einnehmen können.