Kindern Räume eröffnen (18.01.2011)

Fachklinik nimmt suchtkranke Eltern und Kinder gemeinsam auf

Blick in den neuen Therapieraum.

Bei der Eröffnung (v.l.): Margret Matthies (Kroschke Stiftung), Helga Darboe-Bergmann (ärztliche Leitung) und Sabine Nölke (Gossler, Gobert & Wolters).

Wenn alkohol- und medikamentenabhängige Mütter und Väter eine stationäre Entwöhnungsbehandlung brauchen, war dies bisher meist mit einer belastenden Trennung von Eltern und Kind verbunden. Die Fachklinik des Suchttherapiezentrums Hamburg (STZ), eine Einrichtung der Martha Stiftung, geht neue Wege: Sie bietet suchtkranken Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder mitzunehmen, Eltern und Kinder können gemeinsam in einem neu errichteten Anbau leben. Das ist bisher in Deutschland nur in sehr wenigen Kliniken möglich.

Bis zu acht Kinder im Alter von ein bis zwölf Jahren können dort einziehen und spezielle Therapie- und Betreuungsangebote wahrnehmen. "Die ersten Eltern mit Kind aufgenommen, die Fachfrage ist groß", freut sich Helga Darboe-Bergmann, Ärztliche Leitung der Fach- und Tagesklinik. Ihre Erfahrungen in der Nachsorge hätten gezeigt, dass der Fokus mehr auf die Kinder gerichtet werden müsse, heißt es in einer Pressemitteilung der Martha Stiftung. Das Risiko, selbst abhängig zu werden, sei für die Kinder deutlich geringer, deren Eltern sich Unterstützung suchen und ihrem Leben im Rahmen einer Therapie eine Wende geben wollen. 

Gemeinsam mit dem Versicherungsmakler Gossler, Gobert & Wolters hat die Kroschke Stiftung für Kinder Fördermittel in Höhe von 13.500 Euro für die Ausstattung der Spiel- und Kreativräume in dem Anbau zur Verfügung gestellt. "Wir sind sehr froh über diese Anschubfinanzierung, mit der wir ein zusätzliches verlässliches Hilfe- und Unterstützungsabgebot für Eltern in besonderen Lebenslagen schaffen", sagte Klaus Wicht, Vorstand der Martha Stiftung.

Nach Angaben der Martha Stiftung gibt es in Deutschland eine hohe Zahl von Kindern mit suchtkranken Eltern. In jeder siebten Familie seien Kinder zeitweise oder dauerhaft von Alkoholabhängigkeit bzw. Alkoholmissbrauch wenigstens eines Elternteils betroffen, das seien etwa 2,7 Millionen Kinder im Alter bis zu 18 Jahren. Kinder suchtkranker Eltern trügen ein erhöhtes Risiko, selbst eine psychische Störung oder eine Alkohol- und Drogenabhängigkeit zu entwickeln. Belastend für die Kinder seien außerdem ein instabiles und unberechenbares elterliches Verhalten, wenig Verlässlichkeit, Vernachlässigung und in einigen Fällen auch Misshandlung.  

http://www.martha-stiftung.de/