Begegnungen mit der Natur helfen traumatisierten Kindern (28.04.2010)

Vor dem Kochen wird Holz gehackt.

Hund Giovanni freut sich über ein Leckerchen.

Aus Ästen basteln die Kinder Pfeil und Bogen.

So viel Schnee: Da kann man sich einfach fallen lassen. Fotos: PPTZ

Wie komme ich in der Natur zurecht? Wie kann ich dort überleben? Mit diesen Fragen haben sich acht Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren beschäftigt, die drei Wochenenden im Elm und ein weiteres im Harz verbracht haben. Doch an diesen Wochenenden ging es nicht darum, Aktivitäten einfach nach draußen zu verlegen. Die Kinder, von denen manche schon traumatische Lebenserfahrungen machen mussten, nahmen vielmehr an einer naturtherapeutischen Maßnahme teil. Danach haben intensive und geleitete Begegnungen mit der Natur heilende, lindernde, stärkende und unterstützende Wirkungen.

Unterstützt von der Kroschke Stiftung wurden die naturtherapeutischen Maßnahmen vom Pädagogisch-Psychologischen Therapie-Zentrum (PPTZ) in Braunschweig organisiert, in dessen Wohngruppen die Kinder leben. Die naturtherapeutischen Maßnahmen mit ihren ritualisierten Inhalten sollen dazu beitragen, dass die Entwicklung des Einzelnen zu mehr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein unterstützt wird, soziale Kompetenzen entwickelt und gefestigt werden.

An den Wochenenden im Elm stellten die Kinder zunächst ein großes Tipi als Versammlungsraum und Zelte auf - allein das Übernachten im Zelt war für die meisten schon ein Abenteuer. Später lernten sie einen Redekreis mit Redestab kennen, sammelten Feuerholz und kochten über dem Feuer. Beim Umgang mit Axt, Säge und Schnitzmesser lernten die Kinder neue Fähigkeiten und Lebensstrategien kennen. Teamgeist, Konzentration, Ausdauer und Förderung der Leistungsbereitschaft standen im Mittelpunkt von Spielen in und mit der Natur.

Beim zweiten Wochenende im Elm am gewohnten Ort mit Tipi, Zelten und Redekreis war außerdem Therapiehund Giovanni dabei. Er befriedigte das Bedürfnis der Kinder nach Zuwendung und Nähe. Die Kinder lernten dem Hund Befehle zu geben und ihn an der Leine zu führen.

Ein drittes Wochenende verbrachten die Kinder im verschneiten Harz, in Benneckenstein, um mit den Jahreszeiten hautnah den Wandel in der Natur miterleben zu können. Die Mädchen und Jungen waren überwältigt von den Schneemassen und lernten auch hier, in der Natur zu überleben und zurechtzukommen. Sie suchten Feuerholz und bauten eine Schneehöhle, eine Konstruktion aus Zweigen und Schnee. Bei einer Nachtwanderung mit Navigationsgerät ging es auf eine spannende Schatzsuche, und natürlich wurde ausgiebig gerodelt.   

"Es wächst so viel Vertrauen, dass die Teilnehmenden von Wochenende zu Wochenende sichtbar mehr "einfach Kinder" sein können, die glücklich und staunend bis zum Bauch im Schnee stehen oder stolz ihr Stockbrot beim abendlichen Schneefest zeigen, aber auch Konflikte im Kreis thematisieren können", sagte Günther Streifthau nach dem dritten Wochenende.

Bis in den Herbst 2010 treffen sich die Kinder zu weiteren naturtherapeutischen Wochenenden im Elm.